Ausstellung | Galerie FRISE

Eine nächtliche Abfahrt. Gedämpftes Licht im Abteil. Das Rattern der Schienen. Mitte der 1980er verlassen zwei Jugendliche Dresden – und mit der DDR eine Realität, die kein Zurück kennt. Die Reise führt sie im Nachtzug nach Hamburg. Mehr als eine Strecke zwischen zwei Städten: ein Moment des Dazwischen, der Unsicherheit, der Neuanordnung des Lebens.

Die Ausstellung Nachtzug verbindet neu entstandene, prozessuale Arbeiten – aus Interviews, Ortsbegehungen und Zeichnungen – mit älteren Zeichnungen und Filmen, die Räume des Unterwegsseins, des Dazwischen oder des Rückblicks erkunden. Der Nachtzug wird zum zentralen Motiv: als historischer Ort und als Sinnbild eines Zwischenraums, einer Heterotopie nach Michel Foucault, in der gewohnte Ordnungen verschoben und neue Blickachsen eröffnet werden.

Das hier verhandelte Unterwegssein überschreitet die individuelle Geschichte. Auch in einer global vernetzten Welt erleben viele Menschen das Dazwischen: Orte werden zu Durchgangszonen, und das Ankommen erscheint fragil – oft nur eine vorläufige Station zwischen Aufbruch und nächster Weiterreise.